Handball Hochburg Bietigheim

Hilfe, die Leben rettet: SG-Spieler Lukas Urban spendet Stammzellen

Als kurz vor dem Jahreswechsel das Telefon klingelt, geht es für Lukas Urban plötzlich um mehr als Handball. Am anderen Ende der Leitung ist die Nachricht, dass der 24-Jährige als Stammzellspender für einen schwerkranken Patienten infrage kommt. Urban, der für die zweite Mannschaft der SG BBM Bietigheim aufläuft und 2020 auch zum Profikader gehörte, sagt sofort zu. Am vergangenen Donnerstag spendete er schließlich Stammzellen – und schenkte damit möglicherweise einem Menschen eine zweite Chance auf Leben.

Der Grundstein dafür wurde bereits einige Jahre zuvor gelegt. Als 2020 sein Teamkollege Brian an Leukämie erkrankte, initiierte die SG BBM die Registrierungsaktion „Wir für Brian“. Ein Großteil des Kaders – darunter auch er – ließ sich damals als potenzieller Stammzellspender registrieren. „Das ist schnell gemacht und man weiß nie, ob man nicht doch irgendwann helfen kann“, erinnert er sich.

Für viele Patientinnen und Patienten mit Blutkrebs ist eine Stammzellspende oft die einzige Chance auf Heilung, betont die DKMS. Brian fand damals tatsächlich einen passenden Spender. Solche Fälle sind jedoch nicht selbstverständlich: Nur etwa ein Prozent der registrierten Spenderinnen und Spender wird später tatsächlich zur Spende aufgerufen. Umso wichtiger ist es laut DKMS, die Datenbank kontinuierlich zu vergrößern – denn je mehr Menschen registriert sind, desto höher sind die Chancen für Erkrankte, einen passenden Spender zu finden.

Für Urban blieb es zunächst ruhig. Jahrelang passierte nichts, bis am 29. Dezember 2025 plötzlich das Telefon klingelte. „Ich weiß das noch genau, weil es der Geburtstag meiner Mutter war.“ Die DKMS meldete sich – er komme als möglicher Spender infrage. Es folgten Gesundheitsfragen und eine Blutuntersuchung zur genauen Bestimmung. Einige Wochen später kam dann die entscheidende Nachricht: Urban würde als Spender besonders gut passen. „Da haben sie mich nochmal gefragt, ob ich mir das immer noch vorstellen kann“, sagt er. „Für mich stand eigentlich außer Frage, dass ich das mache.“

Vor der Spende wurde der gebürtige Mundelsheimer im Universitätsklinikum Tübingen umfassend medizinisch untersucht, um seine vollständige gesundheitliche Eignung sicherzustellen. Erst nach Vorliegen aller Untersuchungsergebnisse wurde er offiziell als Spender bestätigt. Kurz darauf konnte der Spendetermin festgelegt werden.

Viele Menschen verbinden die Stammzellspende noch immer mit einer Operation – tatsächlich kommt heute jedoch in rund 90 Prozent der Fälle die sogenannte periphere Stammzellentnahme zum Einsatz, bei der die Stammzellen aus dem Blut gewonnen werden. Fünf Tage vor der Spende setzte sich der SG-Spieler täglich kleine Spritzen, die die Stammzellenproduktion anregen und die Zellen ins Blut freisetzen. „Man fühlt sich in der Zeit ein bisschen wie bei einer leichten Erkältung, aber das ist gut auszuhalten“, beschreibt er die Tage vor der Spende. In dieser Zeit sowie in der Woche nach der Spende sollte zudem auf intensive körperliche Belastung verzichtet werden. Für Urban fiel diese Pause allerdings ohnehin an: Der Außenspieler kuriert derzeit einen Muskelbündelriss im Oberschenkel aus.

Am Donnerstagmorgen war es dann soweit: Rund vier Stunden dauerte der Eingriff – für den IT-Controller lediglich eine kurze Pause vom Handball- und Arbeitsalltag. „Die Spende selbst war wirklich völlig in Ordnung. Man liegt im Bett, kann Podcasts hören oder etwas anschauen. Schmerzen hat man keine, das einzig unangenehme ist der Zugang“, scherzt er.

Während der Spende fühlte sich Urban gut vorbereitet. In den Tagen davor habe er jedoch auch gespürt, dass er mit seiner Entscheidung eine gewisse Verantwortung verbindet. „Kurz vor der Spende habe ich schon daran gedacht, dass ich jetzt auf keinen Fall krank werden darf“, erzählt er. Denn der Patient weiß zu diesem Zeitpunkt bereits, dass ein passender Spender gefunden wurde. „Wenn dann irgendetwas dazwischenkommt, würde man der Person natürlich große Hoffnungen nehmen.“

Nach der Entnahme war er zunächst erschöpft, erholte sich jedoch schnell. Mit ein paar Tagen Abstand überwiegt vor allem ein Gefühl: „Man realisiert erst danach so richtig, was das eigentlich bedeutet. Schließlich steht hinter jedem Patienten auch eine Familie und ein ganzes Umfeld, das hofft und mitfiebert. Es macht schon stolz, dass man jemandem helfen kann.“

Seine Erfahrung bestärkt ihn in seiner damaligen Entscheidung zur Registrierung. „Der Aufwand ist wirklich überschaubar“, appelliert er. „Und die DKMS übernimmt alles Organisatorische und kümmert sich perfekt um einen.“ Deshalb möchte Urban auch andere Menschen zur Registrierung ermutigen: „Man kann jemandem eine zweite Chance schenken.“ Für den Handballer der SG BBM steht deshalb fest: Die Entscheidung zur Spende würde er jederzeit wieder treffen.

Wer sich ebenfalls als potenzieller Spender registrieren lassen möchte, kann dies online bei der DKMS oder am 21. März 2026 bei der Registrierungsaktion der Sportvereinigung Warmbronn in Leonberg tun. 

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