Ein Punkt für den Traum vom Titel
Die Bühne war bereitet für einen besonderen Handballabend: Am Samstag empfing die SG BBM Bietigheim den 1. VfL Potsdam zum letzten Heimspiel der Saison. Vor 2.521 Zuschauern ging es für die Mannschaft von Iker Romero nicht nur um wichtige Punkte im Meisterschaftsrennen, sondern auch darum, mehreren Spielern und ihrem Trainer einen würdigen Abschied zu bereiten.
Bereits vor dem Anpfiff gab es erfreuliche Nachrichten für die Gastgeber. SG-Coach Iker Romero wurde als Trainer der Saison in der 2. Handball-Bundesliga ausgezeichnet. Zudem verkündete der Tabellenführer die Vertragsverlängerung von Rückraumspieler Maxim Orlov, der mindestens bis 2028 das Trikot der SG BBM tragen wird.
Die Bietigheimer starteten hochkonzentriert in die Partie. Angeführt von einer stabilen Defensive und einem glänzend aufgelegten Martin Tomovski im Tor setzten sich die Hausherren früh ab. Nach zehn Minuten traf Tom Wolf zum 5:2. Für den Rückraumspieler war es das letzte Heimspiel seiner Karriere, nach Saisonende wird der langjährige SG-Akteur seine aktive Handballlaufbahn beenden.
Potsdam biss sich immer wieder an Tomovski die Zähne aus, der mit zahlreichen Paraden den Spielfluss der Gäste störte. Die SG kontrollierte die Begegnung und erspielte sich zwischenzeitlich eine komfortable Führung. Kurz vor der Pause setzte Tomovski selbst ein Ausrufezeichen: Nach einer Parade nutzte er das verwaiste Potsdamer Tor und traf zum 16:10. Mit einer verdienten 16:12-Führung ging die SG schließlich in die Halbzeitpause.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie intensiv. Potsdam kämpfte sich Schritt für Schritt zurück und verkürzte nach 40 Minuten auf 20:18. Maxim Orlov und Claus sorgten mit ihren Treffern zum 21:18 und 22:18 zunächst wieder für etwas Luft. Zudem parierte Tomovski seinen dritten von insgesamt vier Siebenmetern und hielt die Gastgeber damit weiter auf Kurs.
Doch die Gäste ließen sich nicht abschütteln. In der Schlussphase entwickelte sich ein echter Handball-Krimi. Die SG verteidigte lange eine knappe Führung, ehe Potsdam in der letzten Spielminute zum 28:28 ausglich. Die Antwort der Hausherren ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Tom Wolf übernahm Verantwortung und erzielte 20 Sekunden vor dem Ende die viel umjubelte 29:28-Führung.
Die Entscheidung war damit allerdings noch nicht gefallen. Florian Budde setzte sich wenige Sekunden vor Schluss noch einmal durch und erzielte den 29:29-Ausgleich. Mit der letzten Aktion der Partie traf SG-Kapitän Fabian Wiederstein direkt nach dem Anwurf vom Anspielkreis ins Potsdamer Tor. Der Jubel in der EgeTrans Arena kannte zunächst keine Grenzen, doch die Schiedsrichter erkannten den Treffer ab. Wiederstein hatte sich beim Anwurf nicht regelkonform im Anwurfkreis befunden. So blieb es beim 29:29-Endstand.
Bester Werfer der Partie war Maxim Orlov mit sieben Treffern. Der Rückraumspieler, der gemeinsam mit Torhüter Martin Tomovski in der vergangenen Saison noch für Potsdam aktiv war, stellte sein Können eindrucksvoll unter Beweis. Tomovski überzeugte mit zwölf Paraden und entschärfte drei von vier Siebenmetern.
Trotz des späten Ausgleichs verändert das Remis die Ausgangslage im Meisterschaftsrennen kaum. Im direkten Duell mit der HBW Balingen-Weilstetten reicht der SG BBM am letzten Spieltag ein Unentschieden, um sich den Meistertitel in der 2. Handball-Bundesliga zu sichern.
Nach dem Schlusspfiff rückte der Sport zunächst in den Hintergrund. Im Mittelpunkt standen die Verabschiedungen zahlreicher Persönlichkeiten, die die SG BBM in den vergangenen Jahren geprägt haben. Max Prantner beendet aufgrund anhaltender Knieprobleme seine Karriere, Alen Hadzimuhamedovic wechselt zum Dessau-Roßlauer HV, Juan de la Peña schließt sich nach sechs Jahren in Bietigheim dem VfL Eintracht Hagen an und Tom Wolf beendet seine aktive Laufbahn. Darüber hinaus wurde Cheftrainer Iker Romero verabschiedet, der nach fünf Jahren in Bietigheim und zwei Erstliga-Aufstiegen künftig seine volle Aufmerksamkeit seiner Aufgabe als Nationaltrainer Österreichs widmen wird.
Nach dem Spiel war der Abend jedoch noch lange nicht beendet. Beim traditionellen Saisonabschluss nutzten Mannschaft, Verantwortliche und Fans die Gelegenheit, gemeinsam auf eine erfolgreiche Spielzeit zurückzublicken und diese gebührend zu feiern. So fand ein langer, emotionaler und stimmungsvoller Handballabend seinen würdigen Ausklang – mit großer Dankbarkeit für die scheidenden Akteure und der Vorfreude auf das alles entscheidende Saisonfinale gegen Balingen.
