Spielerinnen ziehen an einem Strang

erschienen in der Bietigheimer Zeitung / 8.Oktober 2020 von bzh

Seit dem 1. Juli ist Markus Gaugisch Trainer der Bietigheimer Handballerinnen. Heute, am 8. Oktober, ist der 46-jährige Gymnasiallehrer 100 Tage im Amt. Die Bietigheimer Zeitung sprach mit dem SG BBM-Coach über seine bisherigen Erfahrungen.

Die SG ist Ihre erste Aufgabe als Frauentrainer. Was war die größte Umstellung?

Insgesamt kann ich sagen, dass ich mich in Trainingsaufbau und Ansprache nicht umstellen musste, beziehungsweise es auch nicht für notwendig erachte. Natürlich rutscht mir in der Emotion ab und zu mal etwas raus, was ganz tief in mir verwurzelt ist, aber die Spielerinnen gehen super damit um.

Sie haben vor Saisonbeginn geäußert „Es ist alles so eingetreten, wie ich es mir erhofft habe.“ Hat sich das nach den ersten Saisonspielen verändert?

Nein, diese Aussage steht bombenfest, da sie unabhängig von irgendwelchen Ergebnissen steht. Ich treffe auf eine Mannschaft, die sich entwickeln will und täglich versucht, die Grenze nach oben zu verschieben. Dabei ziehen alle an einem Strang.

Wie bewerten Sie die bisherigen Spiele in der Bundesliga?

Es zeigt sich, dass die beiden Wettbewerbe extrem unterschiedlich sind. In der Bundesliga gewinnen wir Spiele, selbst wenn wir sehr unbefriedigende Phasen in unserem Spiel haben. Es ist dann unsere Aufgabe, auch diese Phasen unabhängig vom Ergebnis zu betrachten. Die starken Phasen müssen wir weiter ausbauen, unsere Konstanz und das Selbstverständnis unseres Spiels auf ein durchgängig hohes Niveau anheben.

Ihr Zwischenfazit in der Champions League?

Die Spiele in der Champions League zeigen uns, dass wir international noch ein ganzes Stück weg sind. Wir treffen auf Teams, die uns in Ausgeglichenheit und Dynamik voraus sind. Unabhängig von den Ergebnissen gab es allerdings in allen Spielen Phasen in denen wir über längere Strecken auf Augenhöhe waren. Wir gewinnen zum Beispiel in Metz eine Phase von 25 Minuten mit plus fünf Toren und das Spiel gegen Kristiansand war über 45 Minuten ausgeglichen.
Wenn man jedoch sieht, über welche Anzahl an Topspielerinnen unsere Gegner verfügen, muss man anerkennen, dass wir uns in der Champions League noch am unteren Ende der Nahrungskette befinden. Wie bereits erwähnt, geht es hier nun um die Entwicklung unserer eigenen Leistung. Ich hoffe, dass wir spätestens im Januar näher dran sind als jetzt.

Eines Ihrer zentralen Ziele ist die Stabilisierung der Abwehr. Das ist bisher nicht gelungen. Warum?

Dieses Ziel haben wir leider noch nicht erreicht, wobei ich gegen Kristiansand schon deutlich mehr Aggressivität und Geschlossenheit gesehen habe als gegen Esbjerg und Metz. Wir müssen uns in den Bereichen Zweikampfhärte, Hilfesystem und Beweglichkeit weiterentwickeln. Das geht nicht von heute auf morgen. Der Handball hat sich in besonders in der Deckung verändert. Die Zeiten, in denen man passiv bei sechs, sieben Metern stehen konnte und auf den Block vertrauen durfte, sind vorbei. Wir wollen aggressiv, antizipativ und flexibel verteidigen. Spielfähigkeit ist inzwischen ein Begriff, der auch defensiv verwendet wird. In dieser Entwicklung sind wir noch, dazu benötigen wir Geduld und Ausdauer. Wenn wir uns international messen möchten, müssen wir diesen Entwicklungsschritt mitgehen.

Die SG kämpft mit dem Verletzungspech. Ist der Kader zu dünn besetzt?

Natürlich hat uns die Entwicklung der vergangenen Monate getroffen. Der Kader ist und war knapp bemessen, gerade bei der Belastung, die auf uns zukommt. Es ist jedoch wichtig, die wirtschaftliche Machbarkeit im Auge zu behalten. Es ist ja auch nicht richtig, über die Verhältnisse zu wirtschaften und am Ende des Jahres den Laden schließen zu müssen.

Gibt es mittelfristig Lösungen?

Schade ist, dass der Übergang von der Jugend in den Aktivenbereich in den vergangenen Jahren nicht so breit gewachsen ist, dass die nun freien Kaderplätze aus den eigenen Reihen gefüllt werden können. In diesem Bereich arbeiten wir gerade mit dem Unterbau ausführlicher zusammen. Es ist ein Ziel, diese Lücke in den kommenden Jahren zu schließen. Dazu müssen wir die Jugendspielerinnen kontinuierlich entwickeln, sie mit optimalen Trainingsbedingungen versorgen und ihnen auch die Chance geben, sich zu beweisen. Ich bin guter Dinge, dass sich hier etwas entwickelt.

Würden Sie im Rückblick auf die ersten 100 Tage etwas ändern?

Nein, ich denke wir sind auf dem richtigen Weg und werden diesen auch weitergehen.

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